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Die Geschichte von Weissbriach

( von Altbürgermeister Karl MEMMER)

 

Kärnten und somit auch das Gitschtal ist uralter geschichtlicher Boden. Illyrer, Veneter, Kelten und Römer prägten die Frühgeschichte. Zahlreiche Funde aus dieser Zeit ergeben interessante Details; z. B. fand man vor einigen Jahren am „Kappele“, einem kleinen Felskopf bei Jadersdorf, Werkzeuge aus der Steinzeit.

 

Geschichtlich erfassbare Daten beginnen um das Jahr 113 v. Chr.. Bei Norea, man vermutet diesen Ort im Kärntner Unterlande zwischen Klagenfurt und St. Veit, haben sich erstmalig die Germanenstämme Kimbern und Teutonen mit den Römern geschlagen.

In den ersten Jahrhunderten nach Christus muß es einen blühende Kultur und Wirtschaft in der Beziehung Römer/Kelten gegeben haben. Ausgrabungen und Funde von den Städten Virunum bei Klagenfurt, Teurnia bei Spittal und Aguntum bei Lienz, beweisen dies.

Auch die Ausgrabungen am Magdalensberg bei Klagenfurt sind äußerst interessant.

 

In der Zeit der Völkerwanderung, ca. 400 n. Chr., wurde unser Land auch von den Ostgoten besiedelt. An diese Zeit erinnert noch unser „Irtig“ (das ist der Dienstag), der den Gotenheiligen „Arius“ geweiht war.

Später folgten die Markomannen, Slawen und Franken. Vor allem die Franken prägten die Geschichte Kärntens. Unter Bayernherzog „Tassilo“ wurden die Slawen christianisiert, zurückgedrängt und auch mit Franken und Sachsen wurde das Land besiedelt (z. B. Sachsenburg, Frankenberg usw.). Der letzte Karolinger „Arnulf von Kärnten“ errichtete die Kaiserpfalz bei Karnburg (nähe Klagenfurt).

 

Auch der heute noch vorhandene Herzogstuhl am Zollfelde hatte zu damaliger Zeit, und dies bis in das 15. Jhdt., eine bestimmte Funktion zu erfüllen. Hier wurde der Kärntner Herzog von einem „Edling“ (einem Freibauern) eingesetzt. Die Stätte selbst war ein Kultboden der Germanen. Seit den Franken bis in das späte Mittelalter waren einige Städte Kärntens (z.B. Villach und Friesach) Eigentum der Bischöfe von Bamberg und Freising.

Bis in das 18. Jhdt. war die Drau Grenze zwischen dem Bistum Salzburg und Aquilea.

 

Um die Zeit nach der Jahrtausendwende dürfte unser Tal dichter besiedelt worden sein, der Bergbau bekam immer größere Bedeutung. War auch den Römern das „Tauerngold“ und das Eisen aus „Norikum“ ein fixer Begriff, so wurde auch das Gold bis Anfang des 16. Jhdt. und das Eisen bis Ende des 18. Jhdt. für die damalige Zeit – fast industriell – geschürft. Zahlreiche Stollen, die leider heute nicht mehr begehbar sind zeugen hievon.

Sogar die Fugger aus Augsburg haben sich um das Goldvorkommen in Weißbriach gekümmert.

 

Die Armee des Prinzen Eugen, die sich in Ungarn und bei Belgrad mit den Türken herumschlug wurde mit Kanonenkugeln aus dem Gitschtal versorgt. Auf der Gail und Drau wurde geflößt. 1335 kam das Herzogtum Kärnten unter die Habsburger. Um diese Zeit gab es auch die mächtige Katastrophe des Dobratsch-Absturzes, der Villacher Alpe. Verschiedene Einfälle der Türken und auch der Ungarn verheerten das Land. Die Glaubenskriege brachten weitere Erschütterungen.

 

Die Kath. Kirche in der heutigen Form, dürfte im 14 Jhdt. erbaut worden sein. Die Evang. Kirche feierte vor einigen Jahren das 100-jährige Jubiläum. Weißbriach ist zu 90% evangelisch, dies hat eine bestimmte geschichtliche Ursache. Da der Adel evangelisch war, richtete sich auch die Bevölkerung danach. Nach Einsetzen der Gegenreformation blieben die Seitentäler und Bergsiedlungen etwas verschont und auch aus diesem Grunde sind verschiedene Gebiete evangelisch. Prozeßakte und Geschichten über Ansiedlungen zeugen von der schrecklichen Zeit der Religionskriege.

 

Auch die Weltkriege brachten gewaltige Erschwernisse und Veränderungen ins Tal. Mit der Kriegserklärung Italiens zu Pfingsten des Jahres 1915 befürchtete man eine Besetzung Kärntens. Österreichische Truppen befanden sich an der Front in Rußland. Unsere Berge mußten vorerst mit den freiwilligen Jungschützen verteidigt werden. Es gab später gewaltige Kämpfe an der Karnischen Front, allein am Plöckenpaß zeugen sieben Friedhöfe hievon.

In den Jahren 1919 bis 1920 folgte die Besetzung Unterkärntens durch die Jugoslawen. Es ergab den Kärntner Abwehrkampf und die Volksabstimmung vom 10.10.1920.

Auch im Jahre 1945 besetzten die jugoslawischen Partisanen Teile Unterkärntens. Die über dem Plöckenpaß und dem Kanaltale einrückenden Engländer konnten Kärnten besetzen und die Jugoslawen zurückdrängen.

 

Die Ruinen im Gösseringgraben sind noch Zeugen der Bergbaugeschichte. Nachdem der Bergbau direkt nicht mehr rentabel war, versuchte man mittels Wasserkraft und Holzkohle das Eisen zu veredeln. In der letzten Zeit übernahm diese Rolle der Rohstoff Holz.

Zahlreiche Erzählungen und Legenden ranken um diese Arbeit der Jahrhunderte.

In einem der schönsten Heimatmuseen Mitteleuropas, dem Schlosse „Porcia“ in Spittal und im Heimatmuseum Möderndorf bei Hermagor hat man versucht, Exponate aus der Geschichte Kärntens zu sammeln. Auch bei uns in Weißbriach befindet sich im Gästehaus „Strömpfl“ ein kleines Heimatmuseum. Ein Besuch ist empfehlenswert. Bei Interesse Anmeldungen unter Tel.: 260.

 

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